Evangelisch-Lutherische

MATTHIAS-CLAUDIUS-KIRCHENGEMEINDE

 

 

Fröhlicher Ungehorsam

Ein Feldweg an der Ostsee: Mohn und Kornblu­men, so weit das Auge reicht. Nichts Besonderes und doch wunderschön. Eine Blütenpracht, die kein Mensch gesät hat: ein Geschenk des Himmels. Ich weiß es zu schätzen: Ich kenne die Mühsal des Gärtners, um von Frühling bis Herbst Farbe ins Beet zu bekommen. Ich kenne auch die vielen versiegelten Flächen in Städten, die Pflanzen keine Luft zum Atmen las­sen. Wie hübsch wären Mohn- und Kornblumen nicht nur an einem Feldweg, sondern auch mitten in der Stadt auf einer Verkehrsinsel. Seit den Siebzigerjahren sagen Menschen öden, brachliegenden Flächen in Städten den Kampf an. Sie bewegen sich heimlich, im Schutz der Dunkel­heit und illegal durch die Metro­polen und werfen sogenannte „Samenbomben“. Ich habe solche „Bomben“ in die Hand bekommen, die unter an­de­rem Sonnen­blu­men-, Malven-, Perserklee-, Bor­retsch-, Lupi­nen- und Kornblumensamen enthalten. Bunte Aussich­ten! Guerilla Gardening nennt sich diese Bewegung. Ich habe Freude an dem fröhlichen Ungehorsam der Pflanzen-Guerilleros. Weil sie sich nicht zufrie­den geben. „Guerilla“ und „Bomben“ sind mit einem zwinkernden Auge zu verstehen. Genauso zwin­kernd verstehe ich Gott, den Schöpfer, Jesus Christus und den Heiligen Geist. Sie sind mir Vorreiter des Guerilla Gardenings. Ich glaube an Gott, den Schöpfer. Er hat diese Sommerwelt mit der gesamten Farbpalette be­dacht. Ich glaube an Jesus Christus. Mutig sät er Gottes Liebe und Vergebung aus. Oft anders, als es die Gesetzeshüter in Ordnung finden. Sie müssen anerkennen: Wo Jesus sät, da beginnt ein Menschenleben zu blühen. Ich glaube an den Hei­ligen Geist. Er wirkt in Menschen, die sich beruflich und ehrenamtlich für andere einsetzen. In der Gemeinschaft der Heiligen, die einander wert­schätzen. In der Vergebung der Sünden, die ich wagen kann, weil Gott möchte, dass auch der Sündige umkehrt und lebt. In der Auferstehung der Toten, die die Nacht des Todes hinter sich lassen. Im ewigen Leben, das mir auch nach meinem letzten Atemzug eine Zukunft verheißt. In diesem Glauben würde ich selber gern zur „Samenbombe“ werden, mit dem Glauben, der in mir steckt. Möglichst immer fröhlich und ein wenig ungehorsam gegen jedes Nein, das einem Men­schenleben entgegengeworfen wird. Welches Leben darf wachsen, wer darf neben und mit dir blühen? Wie kann ich diese Welt ein bisschen schöner und freundlicher gestalten? Ich weiß: Ich habe viel zu denken und zu tun, um mein Leben zu beackern. Aber einfacher ist diese Welt nicht zu bekommen, in der das Leben für alle Geschöpfe ein Fest sein wird.  Pastor Michael Hinzmann-Schwan

 

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