Evangelisch-Lutherische

MATTHIAS-CLAUDIUS-KIRCHENGEMEINDE

 

 

Liebe Suchsdorferinnen,

Am Monatsspruch für Februar scheiden sich die Geister. Paulus schreibt in seinem Brief an die Römer: „Ich bin überzeugt, dass dieser Zeit Leiden nicht ins Gewicht fallen gegenüber der Herrlichkeit, die an uns offenbart werden soll.“ Röm 8,18

Manche Menschen trösten sich an der Hoffnung auf den zukünftigen Himmel. „Wenn es mir jetzt auch schlecht geht, wenn ich Schmerzen oder Misserfolge durchzustehen habe, wenn ich unglücklich bin oder krank – ich weiß doch, dass Gott mich einmal in den Himmel aufnehmen wird und dann wird alles gut sein!“ So ging es auch meiner Oma. Kurz vor ihrem Tod erzählte sie von dem ganzen Leid, das sie während des Kriegsendes mit ihren drei kleinen Kindern auf der Flucht erlebt hatte. Ihr Glaube an Gottes Liebe und Beistand hatte ihr geholfen, das Leid zu ertragen. Nun war sie gewiss, dass sie nach ihrem Tod Trost erfahren würde. Diese Überzeugung gab ihr Kraft. Andere sehen solche Gedanken kritisch. Es gab Zeiten, in denen die Kirche systematisch auf das Himmelreich vertröstete. Sie kooperierte mit dem jeweiligen Staatssystem und sagte, man solle sich nicht aufregen und alles willig ertragen, später käme man dann ja zum Lohn in den Himmel.

Unsere Partner in El Salvador haben eine Geschichte, in der das eine Rolle gespielt hat. Dort wurden viele Menschen ausgebeutet. Sie arbeiteten hart und bekamen weniger Geld, als man zum Überleben brauchte. Die damalige katholische Kirche vertröstete auf das Jenseits, bis schließlich die Theologie der Befreiung entwickelt wurde, die zur Revolution aufrief. Auch das war nicht unproblematisch, denn der daraus folgende Krieg brachte ebenfalls großes Leid über das Land. Bei Versen des Trostes kommt es auf einen verantwortlichen Umgang an. Wie meine Oma, so möchte auch ich mich von der Kraft der Hoffnung trösten lassen. Darum sind mir solche Verse auch lieb und wert. Anderen Menschen Unrecht zu tun, und sie dann mit der Seligkeit im Himmel zu vertrösten, das ist missbräuchlicher Umgang mit Texten der Hoffnung. Wir sind verantwortlich dafür, wie wir mit den biblischen Texten umgehen.

Pastorin Ulrike Brand
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