Evangelisch-Lutherische

MATTHIAS-CLAUDIUS-KIRCHENGEMEINDE

 

 

Entschuldigung

Liebe Suchsdorferinnen und Suchsdorfer,

Sie kennen sicher diese Szene: die Hauptfigur kommt bedrückt zu einer Nebenfigur und sagt, sie hätte einen riesigen Fehler gemacht, es sei furchtbar! Die andere Person guckt skeptisch, ermuntert dann aber doch davon zu erzählen, und nach einigem Rumgedruckse tut unsere Hauptfigur das auch. Das Gegenüber ist zwar schockiert über das Geständnis, aber der Sünder zeigt sich reuig und bittet um Entschuldigung. Erleichtert und mit fröhlicher Musik geht die Hauptfigur ins nächste Abenteuer.

Nun gut, die Situation erscheint recht flach und vorhersehbar. Möglicherweise ist sie auch ziemlich unrealistisch – nicht, weil es nie große Fehler zu gestehen gäbe, sondern eher, weil das selten geschieht. Wenn doch, dann oft mit dem Hinweis auf widrige Umstände oder (mit-)schuldige Dritte. Und um Entschuldigung gebeten wird schon gar nicht. Tatsächlich auch in Filmen oft nicht: da wird zwar gebeichtet und manchmal auch ‚tut mir leid‘ gemurmelt. Wenn der Andere dann nicht zufrieden ist, heißt es empört: ‚aber ich habe mich doch entschuldigt!‘

Aber genau das ist ja nicht passiert und kann auch gar nicht passieren. Zum einen ist ein Geständnis noch keine Entschuldigung. Und zum anderen kann man sich eigentlich nicht selber entschuldigen.

Ent-schuldigung im Wortsinne bedeutet doch, dass Schuld von mir genommen wird. Das kann ich nicht selber tun. Nur ein anderer kann mir die Schuld nehmen, zum Beispiel, indem er mir vergibt. Und das kann ich nicht erzwingen. Ein Geständnis ist für einen anderen Menschen noch kein Grund zu verzeihen. Dazu braucht es vielleicht noch eine Erklärung, sicher aber doch das Gefühl, dass dem ‚Täter‘ leid tut, was er getan hat. Für viele gehört auch noch eine Bitte dazu. Wer bittet, stellt sich selber als bedürftig hin, das ist nicht sehr angenehm. Als schuldig angesehen zu werden und auf Vergebung zu hoffen, macht uns klein, es ist oft beschämend. Zu leicht versucht man dem zu entkommen, indem man sich selber entschuldigt.

Wir alle machen Fehler, viele kleine und manche wirklich schweren. Wir alle sind dann auf Verzeihen angewiesen und keiner kann das erzwingen, auch nicht durch eine Beichte, nicht durch das Wort ‚Entschuldigung‘ und nicht mal durch die Bitte um Vergebung. Dass uns die Schuld genommen wird, ist ein Geschenk.

Jesus hat uns aufgerufen, einander immer und immer wieder zu vergeben – sieben mal siebzig Mal! Und dennoch ist das manchmal unglaublich schwer. Es gibt wohl auch Schuld, die so groß ist, dass ein Mensch sie nicht vergeben kann. Dann kann man sich nur noch an Gott wenden. Er hat uns seine Barmherzigkeit zugesagt. Immer ist der erste Schritt aber die Einsicht, dass wir etwas Falsches getan haben und der zweite Schritt, um Vergebung zu bitten.

Am besten nicht nur einmal im Jahr, aber der Buß- und Bettag erinnert daran. Alle, denen verziehen wurde, gehen dann erleichtert und mit fröhlicher Musik ins nächste Abenteuer.

Herzliche Grüße

Ihre und Eure Pastorin Marion Hild

 

 

 

 

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