Evangelisch-Lutherische

MATTHIAS-CLAUDIUS-KIRCHENGEMEINDE

 

 

Liebe Suchsdorfer und Suchsdorferinnen!

im Alltag ist es oft so: Das Verhalten anderer nervt uns, ärgert uns, verletzt uns. Manchmal fragt man sich doch, wie man diese Sache mit der Nächstenliebe eigentlich schaffen soll. Leute respektieren, ja, das ist machbar; aber manche sind doch wirklich zu anstrengend, zu merkwürdig, als dass man ihnen liebevoll begegnen könnte. Oder wollte.

Aber so lautet der Auftrag Gottes eben nicht: sei mal liebevoll zu denen, die du magst. Nein, ganz deutlich ist es ‚der Nächste‘, dem wir mit Liebe begegnen sollen. Der Nächste, das ist der, der mir im Augenblick gerade begegnet, egal, ob ich ihn mag oder nicht.

Der libanesische Dichter Khalil Gibran hat mal gesagt: ‚Jene, die dir eine Schlange geben, wenn du nach einem Fisch fragst, haben vielleicht nur Schlangen zu geben. Dann ist es Großzügigkeit ihrerseits.‘

Ein Beispiel: Ich begrüßte alle Eltern im Kinder­garten immer freundlich, egal, ob ich sie richtig kannte oder nicht. Mir macht das einfach Spaß und ich finde die Welt dadurch ein bisschen freundlicher. Die allermeisten grüßten freundlich zurück. Bis auf diese eine Mutter, die mich immer grimmig ansah und ihren Gruß – wenn er denn kam – eher knurrte. Eine Weile habe ich mich gefragt, was ich wohl falsch gemacht hätte, oder ich fand sie einfach nur unhöflich. Dann habe ich erfahren, dass sie psychisch krank ist, große Probleme hat, anderen Menschen zu begegnen, an manchen Tagen sogar Angst hat, das Haus überhaupt zu verlassen. Wenn ich mir das überlege, ist ihr Grüßen, so knapp es auch ist, doch schon viel wert und hat sie sicherlich Kraft gekostet. Mehr geht eben nicht. ‚Jene, die dir eine Schlange geben, wenn du nach einem Fisch fragst, haben vielleicht nur Schlangen zu geben. Dann ist es Großzügigkeit ihrerseits.‘ Diese Großzügigkeit anzuerkennen heißt, den Nächsten liebevoll anzusehen und in ihm Gott zu erkennen. Nächstenliebe ist nicht immer einfach, manchmal für beide Seiten nicht. Tut aber so gut! Die Welt ist voll von netten Menschen – wenn du keinen finden kannst, sei einfach selber einer.

Herzliche Grüße, Ihre Pastorin Marion Hild

 

 

 

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