Evangelisch-Lutherische

MATTHIAS-CLAUDIUS-KIRCHENGEMEINDE

 

 

Sommerandachten kurz & knapp

 

Sommerandacht kurz & knapp zum 15.08.2021

Der Friede Gottes, die Liebe Jesu Christi und das Wehen des Heiligen Geistes sei mit Euch!

 

„Dann krähte der Hahn, und Petrus ging hinaus und weinte bitterlich.“ Mt, 26, 74+75

 

Wer Ferien auf dem Bauernhof gemacht oder in einem Dorf übernachtet hat, ist sicherlich schon wenigstens einmal von einem viel zu früh krähenden Hahn in seinem morgendlichen Schlummer gestört worden. Urlauber zu wecken ist aber sicher nicht der Grund, warum seit langem viele Kirchtürme mit einem Hahn gekrönt sind. Vielmehr gilt der Hahn schon bereits seit Zeiten der frühen Perser als Künder des Lichtes, und dieses treffende Symbol hat dann das Christentum übernommen.

Wenn ich einen Hahn krähen höre, egal ob in Deutschland "kikeriki", in Frankreich "cocorico" oder auf englisch „cock-a-doodle-doo“, oder wenn ich so einen schönen goldenen Hahn wie auf dem Kirchturm der über 700 Jahre alten Martinskirche in Leinsweiler an der Südlichen Weinstraße sehe, denke ich aber nicht so sehr an das alte Symbol der Verkündigung des Lichtes als eher an die dramatische Leidensgeschichte Jesu aus dem Gründonnerstagsevangelium, in dem Petrus Jesus dreimal verleugnet, und "dann krähte der Hahn, und Petrus ging hinaus und weinte bitterlich ", da ihm bewusst wurde, dass Jesus ihm diesen Verrat schon vorhergesagt und er nicht widerstanden hatte.

Im Urlaub haben wir mehr Zeit, uns mal zu überlegen, wie wir uns in einer derartigen Situation verhalten hätten oder verhalten würden - derartige Situationen liegen ja nicht immer nur in der Vergangenheit, sondern können uns noch oft in unserem Leben erwarten.

So ein Hahn auf dem Kirchturm ist bewusst "Wetter-wendisch" angelegt, d. h. er dreht seinen Körper in den geringsten Widerstand gegenüber dem Wind. Auch darin können wir ein Symbol des menschlichen Lebens sehen: der Hahn ist ganz oben, an der Spitze, aber eben auch so wie auch ein Mensch wendisch sein kann: ein Wendehals, der seinen Vorteil sucht, nur dass er eben nicht wie der Hahn seinen ganzen Körper drehen muß.

Wir können die angesprochene dramatische Situation kurz vor dem Sterben Jesu aber auch noch weiter meditieren: wenn Petrus Jesus dreimal auf Nachfrage von verschiedenen Menschen verleugnet hat, aus Angst, auf einmal als Mitangeklagter dazustehen, warum sollte gerade er, Heißsporn wie er immer gewesen war, also mit all seinen menschlichen Problemen, dennoch in der Lage sein, die Kirche Jesu zu führen? Konnte das gut gehen? Liegt in dieser Nachfolgeregelung Jesu vielleicht schon der Ursprung für das Problem, das die Kirchen in der heutigen Zeit haben? Oder anders herum und positiv gedacht: hat Jesus Petrus und den Jüngern seine Ideen anvertraut, wohl wissend dass er immer wieder einmal verraten werden würde? Können wir uns dann einerseits in dieser Nachfolge so sicher sein, dass wir alles immer richtig machen? Andererseits dürfen wir uns dann anmaßen, über die Nachfolger Jesu in den Ämtern in der Kirche zu urteilen oder müssen wir in ihnen nicht auch den Menschen sehen, mit all seinen charakterlichen Problemen wie Petrus, dem Jesus verziehen hat, und mit ihnen gemeinsam Kirche sein und Nachfolger Jesu? Das setzt aber voraus, dass wir und die Nachfolger Jesu wie Petrus aus seinen Fehlern gelernt hat, unsere Fehler anerkennen und daraus lernen. Dann wird auch der Urlaub fruchtbringend sein, auch wenn der Hahn so laut gekräht hat und uns auf unsere menschliche Fehlerhaftigkeit hinweist.

 

Lied (Strophen 5 und 7 von: Sonne der Gerechtigkeit)

Gibt den Boten Kraft und Mut, Glauben, Hoffnung, Liebesglut, und lass reiche Frucht aufgehen, wo sie unter Tränen säen. Erbarme Dich, Herr

Lass uns eins sein, Jesus Christ, wie Du mit dem Vater bist, in Dir bleiben alle Zeit heute wie in Ewigkeit. Erbarme Dich, Herr

 

Gebet

Gott, Du Spender allen Lichtes,

lass Dein Licht Leitschiene unseres Lebens sein,

lass uns nicht vom Schatten überwältigt werden, wenn wir unsicher werden,

lass uns Dein Licht dorthin bringen, wo es noch dunkel ist.

 

Segenswunsch

Lass uns selbst Dein Licht finden und es zu vielen Menschen bringen. Amen

                                                                                    

Prof. Dr. Maximilian Mehdorn

Neurochirurg und Gründer der Familie Mehdorn Stiftung

 

 

 


Sie finden alle früheren Andachten im "Archiv der Andachten" zum Nachlesen!


 

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