Evangelisch-Lutherische

MATTHIAS-CLAUDIUS-KIRCHENGEMEINDE

 

 

Frühlingsandachten kurz & knapp

 

Frühlingsandacht kurz & knapp zum Karfreitag 2021

Friede sei mit euch von dem, der da war und der ist und der kommen wird.

„Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ (Mt 27,46)

In so vielen Kirchen sieht man ihn: den am Kreuz leidenden Christus. Oft haben die Künstler nahezu geschwelgt im Ausmalen seiner Qualen. Sehnen und Knochen stechen hervor, die Dornen der Krone bohren sich in Stirn und Schläfen, verdrehte Arme erzeugen Schmerzen in den eigenen Schultern und dann vor allem immer das Gesicht. Das schier unendliche Leiden, die Hoffnungslosigkeit, die Bitternis und auch das Erdulden, all das spiegelt sich darin.

So elend dieser Mann an dem Foltergerüst ist, so unangenehm ist es mir, ihn betrachten zu müssen. Als sollte ich mich ergötzen an seiner Qual.

Ich habe mich früher oft gefragt, warum gerade dieser Schmerz so groß gemacht wird, warum Tod und Sterben eine so präsente Stellung haben in unseren Kirchen, die die ‚gute Nachricht‘ verbreiten wollen. Warum stehen nicht Freude und Hoffnung im Vordergrund?

Dann saß ich mit meiner Schwiegermutter unter so einem übergroßen Bild des Leidens und fühlte mich bedrückt davon. Sie aber, die ein Kind an den Krebs verloren hatte, sagte mir: ‚Mich tröstet das. Er hat gelitten wie ich. Gott weiß um meine Schmerzen, das zeigt mir dieses Bild.‘

Der Jesus am Kreuz ist nicht der, den ich als Zuschauerin betrachte. Sondern das ist der Mensch, der in die tiefste Schwärze unserer Schmerzen mit hinab steigt. Der weiß von allem Leid und Elend, von Trauer, Schmerz, Spott und Verrat. Seht diesen Menschen, der verlassen am Kreuz hängt und doch noch an die anderen denkt: ‚Noch heute wirst du mit mir im Paradies sein‘, sagt er zu dem sterbenden Mann neben ihm. Dieser Jesus ist uns im Tode nah, weil er selbst durch den Tod gegangen ist.

Am Karfreitag werden die Altäre abgeräumt. Alles, was sonst an Gottes Nähe erinnert, wird entfernt: die Kerzen, die Bibel, der Blumenschmuck, die Tücher. Eine Orgel lässt noch einmal gewaltig den Luftstoß durch die Pfeifen brausen und verklingt dann in einem klagenden Seufzen. Der letzte Atemzug und dann bleibt nur die Stille.

Es ist kein scheinbares Sterben. Die Angst und Verzweiflung dessen, der schreit: ‚Warum hast du mich verlassen?‘, die ist echt. So wie unsere Ängste und Schmerzen echt sind und nicht allein dadurch vergehen, dass wir glauben. Auch wer glaubt, kann sich verlassen fühlen.

Verlassen sein ist der Tod, davon erzählen die Kreuze mit dem leidenden Christus. Verlassen sein, das ist Karfreitag.

Lied:   O Haupt voll Blut und Wunden, voll Schmerz und voller Hohn,
o Haupt, zum Spott gebunden mit einer Dornenkron,
o Haupt, sonst schön gezieret mit höchster Ehr und Zier,
jetzt aber hoch schimpfieret: gegrüßet seist du mir.

Erkenne mich, mein Hüter, mein Hirte, nimm mich an.
Von dir, Quell aller Güter, ist mir viel Guts getan,
dein Mund hat mich gelabet mit Milch und süßer Kost,
dein Geist hat mich begabet mit mancher Himmelslust.

Wenn ich einmal soll scheiden, so scheide nicht von mir,
wenn ich den Tod soll leiden, so tritt du dann herfür;
wenn mir am allerbängsten wird um das Herze sein,
so reiß mich aus den Ängsten kraft deiner Angst und Pein.

EG 85, Paul Gerhardt, Str. 1+5+9

Gott segne dich und behüte dich.

Gott lasse leuchten sein Angesicht über dir und sei dir gnädig.

Gott erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden.

Pastorin Marion Hild

Lesen Sie die Frühlingsandacht zum 04.04.2021 bitte dazu!


Die Frühlingsandacht zum 28.03.2021 können Sie hier nocheinmal anschauen!

Sie finden die Winterandachten im "Archiv der Winterandachten" zum Nachlesen!


 

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