Evangelisch-Lutherische

MATTHIAS-CLAUDIUS-KIRCHENGEMEINDE

 

 

Frühlingsandachten kurz & knapp

 

Frühlingsandacht kurz & knapp zum 11.04.2021

Der Friede Gottes und die Liebe Jesu Christi und die Kraft des Heiligen Geistes sei mit Euch und Ihnen!

Laß dir an meiner Gnade genügen; denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig. 2. Korinther 12,9 (Luther 1984)

 

Liebe Andachtsgemeinde,

vor nicht allzu langer Zeit ging ich auf dem Eichfriedhof in Kronshagen spazieren und machte dabei dieses Foto. Die Skulptur neben der Kapelle berührte mich, vielleicht da ich mich gerade selbst durch berufliche Belastungen im Alltag als OP-Schwester ermüdet fühlte. Und wie ich die dargestellte,  erschöpft wirkende junge Frau so betrachtete, kam mir mein oben genannter Taufspruch plötzlich in den Sinn. Viele Jahre hatte ich nicht mehr an ihn gedacht, aber nun drängte er sich mir mit all seiner Gewichtigkeit in die Gedanken und beschäftigte mich noch Tage später.

Was meint Gnade? Was bedeutet, sich an der Gnade zu genügen? Was wollte Paulus der Gemeinde in Korinth damit verdeutlichen? Und was bedeutet Gnade für mich persönlich in meinem Leben als Christin?

Wenn wir im irdischen Sinne von Gnade sprechen, denken viele Menschen wahrscheinlich zuerst an Begnadigen, also an den Erlass einer weltlichen Strafe, die man uns unverdient nicht verbüßen lässt oder auch an den Begriff des „begnadet sein mit etwas“, einer Gabe, einem Talent. Wie verhält es sich jedoch mit Gottes Gnade gegenüber den Menschen? Ist sie bedingungslos? Kann ich sie mir durch gute Werke verdienen? Ist sie begrenzt, ist sie endlich?

Für mich ist die Gnade das persönlichste Offenbaren Gottes zu mir hin als Mensch, als einzelne Seele. Nur durch die Gnade vermag ich in Beziehung zu treten zu meinem Schöpfer, nur durch Gnade bin ich befähigt zu glauben, was mein Verstand eigentlich nicht zu fassen vermag. Gnade als bedingungsloses Geschenk aus der Liebe Gottes heraus zu den Menschen. Persönlich, bedingungslos, ohne Vorleistung.

Gerade haben wir vor einer Woche Jesu Kreuzigung gedacht und die Auferstehung gefeiert. Vor allem darin, in Jesu Sühneopfer für unsere Schuld bekommt Gnade den wohl persönlichsten Ausdruck Gottes zu seinen Kindern hin, sie bekommt das Gesicht Christi.

Der Apostel Paulus erzählt in seinem Brief an die Korinther von jenem Wort Gottes an ihn, den sich selbst seiner Schwachheit so bewussten Menschen, dass er sich an der göttlichen Gnade genügen soll. Doch wie empfinden wir heute diesen Gedanken? Trägt nicht ein jeder Mensch den Wunsch nach umfänglich mehr in sich? Nach einem gelungenen Berufsweg, einer glücklichen Partnerschaft, finanzieller Sicherheit, Gesundheit, einem Blick in die Welt durch große Reisen, etc. …? Ich denke, viele von Euch werden mir da zustimmen, aber gerade hier setzt ja das Geschenk der Gnade Gottes sein Wirken frei.  Das Erleben von göttlicher Gnade in unserem Dasein verwandelt uns, schenkt innere Freiheit. Auch Gnade ist Teil des Schöpfungsaktes. Sie bildet das Fundament von allem! Die Gnade Jesu ist alles, was Paulus und auch wir heute im Leben und Wirken brauchen. Gesundheit als Ausdruck der Gnade, um im eignen Leben frei wirken zu können, Verstand als Ausdruck der Gnade, um lernen zu können, das Geschenk des Gebets um Gott nahe sein zu können. Ebenso sind die schmerzhaften Dinge des Lebens wie Trauer, Verlust, Einsamkeit Teil der Gnade Gottes, denn er hat einst seinen Sohn gesandt, damit er für einen jeden von uns die Last mit trage, den tiefsten Schmerz mitfühle. Gnade umfängt unser ganzes Sein und Gott schenkt sie bedingungslos liebend allen Menschen, ohne Ansehen der Person. Nichts vermag der Mensch durch eigenes Mühen und Bemühen, ausschließlich aus sich selbst heraus zum Gelingen zu führen, solange nicht Gott in seiner Gnade es dem Menschen hingibt. Sie erst ermöglicht uns zu empfangen, wonach wir uns im Herzen in unserem Leben sehnen. Und hier schließt sich Paulus Aussage für das Genügen des Menschenherzens an der Gnade Gottes an, denn Schwachheit ist unser aller urgemeinsamstes Wesensmerkmal vor Gott. Wir sind schwach im Geiste und im Fleisch, wir sind schwach in unserem Wollen, Fühlen, Streben; aber durch die Kraft Gottes, kann jede einzelne Seele Gelingen im vorrübergehenden Sein auf Erden erlangen und alles Schwere ertragen.

Unser Glaube, geschenkt durch den Heiligen Geist, ist die Kraft, die im Schwächsten das Beste und Gütigste hervorquellen lassen kann, sofern der Mensch es zulässt und sich Gottes Plan anvertraut.

 

Lied: „Befiehl´ du deine Wege“ Paul Gerhardt EG 361 (1. Strophe)

Befiehl du deine Wege und was dein Herze kränkt,

der allertreusten Pflege, des der den Himmel lenkt.

Der Wolken, Luft und Winden gibt Wege, Lauf und Bahn,

der wird auch Wege finden, da dein Fuß gehen kann.

 

Segenswunsch:

Psalm 121, 3 (Luther 1984)

Er wird deinen Fuß nicht gleiten lassen und der dich behütet, schläft nicht.

 

Antje Schulz

(neues Gemeindemitglied seit 2019, wohnhaft in Suchsdorf seit 2001)                                                                            

 

 


Die Frühlingsandacht zum 04.04.2021 können Sie hier nocheinmal anschauen!

Sie finden die Winterandachten im "Archiv der Winterandachten" zum Nachlesen!


 

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