Evangelisch-Lutherische

MATTHIAS-CLAUDIUS-KIRCHENGEMEINDE

 

 

Herbstandachten kurz & knapp

 

Herbstandacht kurz & knapp zum Ewigkeitssonntag,
21.11.2021

Friede sei mit Euch. Und mit Deinem Geist.

Der Kokon und der Schmetterling


Liebe Gemeinde,
ich lese gern. Je nach Stimmung mal einen Krimi, einen Inselroman oder auch etwas mit
geschichtlichem Hintergrund. Auch die Bibel lese ich gern – wenn auch es manchmal nicht so
einfach ist, die Texte zu verstehen. Über die Jahre habe ich gerade in Situationen, in denen es
mir nicht so gut ging, Bücher von einer ganz besonderen Frau und Autorin gelesen, die ich
Ihnen heute vorstellen möchte: die bekannte Ärztin, Wissenschaftlerin und Sterbeforscherin
Elisabeth Kübler-Ross.
Elisabeth Kübler-Ross hat durch ihre Arbeit in der Hospizbewegung und ihre zahlreichen
Veröffentlichungen zum Thema „Tod und Sterben“ Weltruhm erlangt. Sie war Professorin an
der Universität von Chicago. Als Psychiaterin befasste sie sich mit dem Tod und dem Umgang
mit Sterbenden, mit Trauer und Trauerarbeit. Aber auch mit dem Sinn des Lebens.
Vielleicht sagen Sie jetzt: Damit will ich nichts zu tun haben! Viele Menschen meiden das
Thema Tod und Sterben. Und doch wird es uns allen irgendwann in unserem Leben begegnen.
Und wahrscheinlich nicht nur einmal.
Elisabeth Kübler-Ross sagt dazu: „Wenn der Tod ganz selbstverständlich das Leben begleitet,
verliert er seinen Schrecken und bietet die Chance, sich die Frage nach einem würdigeren,
erfüllten und selbstverantworteten Leben zu stellen.“
Ich habe von dieser bemerkenswerten Frau viel gelernt. Zum Beispiel über die Symbolsprache
von Sterbenden. Gerade Kinder benutzen häufig eine Symbolsprache, die wir Erwachsene oft
nicht verstehen. Wenn man sich die Mühe macht, diese Sprache zu begreifen, wird man lernen,
dass jeder sterbende Mensch – vielleicht nicht immer bewusst, aber auf jeden Fall unbewusst –
weiß, dass er sterben muss. Elisabeth Kübler-Ross vergleicht diese Sprache mit den
Gleichnissen, die Jesus erzählte. Viele Menschen verstanden Jesus nicht, vielleicht, weil sie
noch nicht „soweit“ waren, ihm zuzuhören. Daher sprach Jesus in Gleichnissen, weil er wusste,
dass diejenigen, die ihm zuhören wollten, ihn damit auch verstehen würden.
Ein Beispiel für die Symbolsprache Sterbender hat mich besonders beeindruckt. Es ist ein
Bericht über einen Besuch im Konzentrationslager Maidanek.
„Und dann ging ich hinüber zu den Baracken, wo die Kinder die letzte Nacht ihres Lebens
verbracht hatten. (…) ich suchte nach Botschaften, (…) wie diese Kinder dem Tod
entgegengegangen waren. Sie hatten mit einem Stückchen Stein oder Kreide oder auch nur mit
den Fingernägeln Symbole in die Wände der Baracken geritzt. Das am häufigsten
auftauchende Symbol war der Schmetterling.“
Im Gedenken an die Kinder in Maidanek erklärt Elisabeth Kübler-Ross das Bild des Kokons und
des Schmetterlings folgendermaßen:
So, wie wir uns heute im Spiegel betrachten, sehen wir nur unsere Hülle, den Kokon. Es ist nur
das zeitliche Haus unseres „wahren Ich“. Wenn dieser Kokon beschädigt wird und nicht mehr
repariert werden kann, sterben wir. Und dann lässt der Kokon symbolisch gesprochen den
Schmetterling frei. Und wir werden schön und vollkommen sein.
Ich finde diese Vorstellung sehr tröstlich. Nachdem ich verschiedene Bücher von Elisabeth-
Kübler-Ross „verschlungen“ habe, würde ich heute sagen: Ich habe keine Angst mehr vor dem
Tod. Nur vor dem: „WIE“ werde ich sterben. Aber, auch das sagt Kübler-Ross:“ Gott wird uns
nie mehr aufbürden, als wir tragen können.“ Darauf sollten wir vertrauen – auch, wenn wir
seine Pläne oft nicht verstehen.
Wenn ich Sie nun neugierig gemacht habe, möchte ich Ihnen aus der großen Auswahl gerne
zwei Bücher besonders ans Herz legen:Die Auszüge in dieser Andacht sind aus dem Buch
„Erfülltes Leben – würdiges Sterben“ von Elisabeth Kübler-Ross. Ein weiteres sehr schönes
Buch ist „Geborgen im Leben – Wege zu einem erfüllten Dasein“ von Elisabeth Kübler-Ross
und David Kessler.

Lied: Gottes neue Welt
Noch haben wir sie nicht gesehn, noch warten wir darauf,
noch nehmen wir für unsre Hoffnung Spott und Hohn in Kauf.
Und wissen doch: Es kommt ein Tag, da hört das Warten auf,
und grade dann, wenn jedermann es nicht für möglich hält,
dann werden wir sie sehen: Gottes neue Welt.
Dort wird es sein, wo keiner mehr den anderen vergisst,
wo nicht mehr auf verbranntes Land das Blut von Kindern fließt,
wo keiner mehr nach Frieden schreit, weil endlich Friede ist,
weil nicht mehr unser Wille, sondern Gottes Liebe zählt
in seiner Gegenwart, in Gottes neuer Welt.
Dann kennen wir das Wann, Warum, Wie lange und Woher,
dann quälen tausend ungelöste Fragen uns nicht mehr;
denn unsre letzte Antwort ist uns Christus, unser Herr,
der uns und unsre Dunkelheit mit seinem Licht erhellt,
der unsre Sonne ist in Gottes neuer Welt.
Noch warten wir darauf, noch haben wir sie nicht gesehn,
noch haben wir in dieser Welt ein Leben zu bestehn.
Schon heute soll in unserm Leben Gottes Wort geschehn,
denn so nahe sich ein jeder hier an Gottes Worte hält,
genauso nahe ist er Gottes neuer Welt.
(Originaltitel: Bright New World, Text und Melodie: Fio Price. Deutcher Text: Manfred Siebald)

Segen:
Gott segne Dich auf Deinem Weg durch das Leben.
Er gebe Dir offene Ohren, um anderen zuzuhören und sie zu verstehen.
Er gebe Dir die richtigen Worte, wenn einer Deinen Zuspruch braucht.
Gott gebe Dir den nötigen Atem, um die Stürme des Lebens zu bestehen.
Und er gebe Dir die Gewissheit, dass er Deine Hand nie loslässt, wo immer Du bist.
Amen

Bleiben Sie behütet!

Sabine Krause
(Lektorin im Gottesdienst und Mitarbeiterin in verschiedenen Gruppen unserer
Kirchengemeinde)

 

 


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