Evangelisch-Lutherische

MATTHIAS-CLAUDIUS-KIRCHENGEMEINDE

 

 

Herbstandachten kurz & knapp

 

Herbstandacht kurz & knapp zum 10.10.2021

Der Friede Gottes und die Liebe Jesu Christi und die Kraft des Heiligen Geistes sei mit Euch allen!

Rainer Maria Rilke (1875-1926)

Herbst

Die Blätter fallen, fallen wie von weit,

als welkten in den Himmeln ferne Gärten;

sie fallen mit verneinender Gebärde.

 

Und in den Nächten fällt die schwere Erde

aus allen Sternen in die Einsamkeit.

 

Wir alle fallen. Diese Hand da fällt.

Und sieh dir andere an: es ist in allen.

 

Und doch ist Einer, welcher dieses Fallen

Unendlich sanft in seinen Händen hält.

Liebe Andachtsgemeinde,

wir sind mitten im Herbst angekommen, jener Zeit des Jahres, die uns mit ihrer leuchtenden Farbenpracht in Wald und Flur zuweilen so erfreut. Die letzten Sonnenstrahlen bescheinen die Wälder, ein bisschen warmes Licht noch bis die Tage endgültig kürzer werden, die Abende früher dunkel sind und die kalten, stürmischen Monate des Jahres Einzug halten.

Vor einigen Tagen, während eines kurzen Spaziergangs an der Suchsdorfer Au entlang zum Kanal hinunter, kamen mir jene Gedichtzeilen von R. M. Rilke ganz unerwartet wieder in den Sinn. Früher einmal kannte ich jede Zeile auswendig, weil es lange als gerahmtes Gedicht in meiner ersten Wohnung hier in Kiel an der Wand hing, aber nun konnte ich mich nur noch der letzten Strophe entsinnen. Erneut war ich berührt von jenen poetischen Worten des Dichters, die so viel Hoffnung schenken inmitten jener herbstlichen Zeit, in der die Natur uns so sehr die Vergänglichkeit allen Seins vor Augen führt und unsere Gedanken zuweilen schwer und trüb werden lässt.

Tröstlich und hoffnungsvoll empfinde ich jenen Gedanken, dass Gott unser aller Fallen in seinen gütigen Händen hält, gerade in jenen Herbsttagen, da uns das Herniedersinken des Laubes und das scheinbare Sterben der Natur so an unsere eigene Vergänglichkeit mahnt. Wie die Blätter vom Winde getragen, nach kurzer Zeit sanft zu Boden sinken, so ist auch unser irdisches Sein nur ein kurzer Hauch im Kreislauf der Schöpfung. Doch Gott umfängt uns nicht nur im sterbenden letzten Fallen, sondern jedes Stolpern, Wanken, Trauern oder Mutlos werden ist von ihm getragen.

In Psalm 139 heißt es in Vers 5: „Von allen Seiten umgibst du mich und hälst deine Hand über mir.“ Jene Worte umschreiben auf wunderschöne Weise Gottes allmächtiges Sorgen für uns, in all unseren Ängsten und Nöten, in aller irdisch aufgebürdeten Last.

Die Künstlerin Dorothea Steigerwald hat in jener oben abgebildeten Skulptur („Bleib sein Kind“) mein menschliches Empfinden gegenüber Gott wunderbar dargestellt. Wir sind und bleiben vom ersten bis zum letzten Atemzug sein Kind, umfangen und behütet in seinen Händen. Kein Tag, den wir leben, rinnt Gott achtlos durch die Finger, nur wir sind manchmal zu wenig achtsam mit den Stunden. Gottes Hände umfangen alle unsere Augenblicke, er umschließt mit schützender Kraft das Fallen und Stürzen in unserem Sein; er hält uns vor Torheit und Leichtsinn bewahrt, wie ein Vater sein Kind an der Hand und er zeigt uns liebevoll unsere menschlichen Schwächen auf, um uns vor Hochmut zu schützen.

Ich genieße den goldenen Herbst gerne jedes Jahr neu, denn weiß ich doch, dass Gott uns nicht gleich dem wehenden Laub am Boden vermodern lässt, sondern still und sanft umfängt und trägt, durch alle irdische Vergänglichkeit hindurch zu neuem Sein.

 

Lied  „Ja, ich will euch tragen“ - Jochen Klepper (1938) [EG 380]

Ja, ich will euch tragen bis zum Alter hin. Und ihr sollt einst sagen, dass ich gnädig bin.

Ihr sollt nicht ergrauen, ohne dass ich’s weiß, müsst dem Vater trauen, Kinder sein als Greis.

Ist mein Wort gegeben, will ich es auch tun, will euch milde heben: Ihr dürft stille ruhn.

Denkt der frühern Jahre, wie auf eurem Pfad, euch das Wunderbare immer noch genaht.

Lasst nun euer Fragen, Hilfe ist genug. Ja, ich will euch tragen, wie ich immer trug.

 

Segenswunsch:

Keinen Tag soll es geben, an dem Du sagen musst: Niemand ist da, der mich beschützt.
Keinen Tag soll es geben, an dem Du sagen musst: Niemand ist da, der mich begleitet.

Amen

 

Antje Schulz                                                             


Sie finden alle früheren Andachten im "Archiv der Andachten" zum Nachlesen!


 

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